Schwarze Kleidung – weiße Haut

Wir kennen es alle zur Genüge: den 20 jährigen Türken, der mit den quietschenden Reifen seines tiefergelegten 3er BMW in der zweiten Reihe parkt, Scheibe herunter- und Lautersprecher heraufgedreht, die Matronen, die sich, bis unter die Achseln verschleiert, durch unsere Städte schieben, den Albaner mit dem kreuzehrlichen Gesichtsausdruck, die außereuropäische Großfamilie, die beim ersten Sonnenstrahl mit ihren Horden in den Stadtpark einfällt, um dort auf dem stinkenden Grill ihr geschächtetes Fleisch zu garen. Wer verspürt angesichts dieser geballten Überfremdung nicht einmal den Wunsch einer Erholung, ja einer Kur in Sachen Volkstum? Die kann er am Pfingstwochenende in Leipzig finden. Dort versammeln sich jedes Jahr etwa 20000 sogenannte „Gothics“ zum Wave Gotik Treffen. Dieses etwas bizarr anmutende Festival der schwarzen Musik ist ein Kristallisationspunkt einer Subkultur, die bei näherer Betrachtung zahlreiche Elemente, die durchaus als Gegenkultur zum global amerikanisierten way of live angesehen werden können, enthält. Es bildet darüber hinaus die Gelegenheit, alte Freundschaften aufzufrischen und neue zu gründen.

Die Musik dieser Szene ist von einer schier unübersehbaren Bandbreite, angefangen von mittelalterlicher Instrumentalmusik bis zu hardcore- Elektronik. Die Melodien und selbst die härteren Rhythmen haben düstere, mystische Klänge, sind oft melancholisch beschattet. Über die Hälfte der Bands singt auf deutsch. Verschiedentlich hört man auch Lieder in lateinischer oder schwedischer Sprache, ein Teil ist englisch. Neben den üblichen Synthezisern und Elektronikinstrumenten werden alte Instrumente, wie Dudelsack, Querflöte und Geige eingesetzt. Sie spielen dann zu Punk und Metal auf. Die Mischung mittelalterlicher Melodien und moderner Klänge ergibt eine kaum zu beschreibende Symbiose, die eine gleichzeitig mitreißende und sehnende Stimmung erzeugt.

Die Texte handeln vielfach von tiefgründigen Themen, es werden Fragen vom Sinn und Unsinn des Lebens, von Bestand und Vergänglichkeit gestellt, der Existenz selbst nachgespürt, so etwa wenn die Gruppe subway to sally in dem Stück „Zu spät“ singt:

Nichts wiegt mehr viel in dieser Zeit der Narren und der Toren
nicht mehr als hätt ein müder Strauch ein Blatt verloren

die Blätter falln, wer heute schreit ist morgen schon gewesen
die Zeile, die mein Leben schreibt wird niemand lesen

die Berge trägt der Regen ab
und schwemmt sie flußwärts in das Meer; in den Ruinen wächst das Gras vorbei und lange her
und bleibt nur eine kurze Zeit
voll Mühsal und Beschwerde
des Suchens und der Wanderschaft auf dieser Erde

Auch wird das Bild einer harmonischen Verbindung zwischen Mensch und Natur, die heute verloren scheint, gezeichnet. Als Beispiel sei hier die Strophe der Neofolk Gruppe Forseti, die ausschließlich mit Naturalinstrumenten auftritt, genannt, in der es heißt

„Siehst Du der Felder leuchten wenn Tau im Morgenlicht Berauscht vom Rot der Sonne Durch junge Halme bricht“

Nach solchen Sequenzen sucht man im Unterhaltungsmainstream des Spaßmarktes BRD vergeblich.

Andere Formationen warten martialisch auf und provozieren mit gezielten Tabubrüchen, wie die Gruppe Rammstein, die einen ihrer Videoclips mit Bildern aus dem Riefenstahlfilm „Fest der Völker“ unterlegt.
Auch sich außerhalb des Gutmenschenrahmens bewegend, präsentierte „Feindflug“ bei einem ihrer Auftritte auf dem WGT zur Elektronikmusik eine Licht- und Diashow, die deutsche Wehrmachtsflugzeuge aus dem zweiten Weltkrieg, passend dazu auf der Bühne eine rotierende Flak zeigte; dies zu einem intensiven ästhetischen Gesamtwerk verbunden, dem sich kein Zuhörer entziehen konnte.

Einige der Musikbands haben klassische Gedichte, zumeist aus der deutschen Romantik vertont. Bei „In extremo“ kann man den Spielmannsfluch von Uhland hören; das hohe Schloß am Meer, ebenfalls von Ludwig Uhland oder den König in Thule von Goethe finden sich im Repertoire der Mittelalterband „Faun“, fürwahr eine andere Gehaltsstufe, als die Ergüsse von Dieter Bohlen, zu denen RTL gecastete Möchtegern- Superstars bei dem Grand Prix ihre Hüften schwingen!

Das Auftreten der Fangemeinde entspricht dem ihrer Idole: Neben schwarzer Phantasiekleidung sieht man Flecktarnhose, Uniform und hohe Stiefel. Auch die weibliche Teilnehmerschaft scheut solche Accessoires nicht. Manchmal fühlt man sich sogar in die dreißiger Jahre zurückversetzt. Von wenigen meist in den Bier- und Imbißbuden arbeitenden Ausnahmen abgesehen, ist der Kreis dieser Musikfreunde

mitteleuropäischer Natur. Egal ob hardcore , elektronisch oder mittelalterlich-melancholisch: die schwarze Musik wirkt offensichtlich auf Mitmenschen mit Migrationshintergrund wie ein akustischer Überfremdungsschutz. Daher findet man auf einem Festival wie dem WGT zwar ausnahmslos schwarze Kleidung und die in allen Variationen, aber darunter nur weiße Haut, und nicht nur dort. Das ist eine Wohltat: einmal für vier Tage von der Gegenwart der multikulturellen Gesellschaft befreit zu sein, eine erstaunliche noch dazu, ist doch ansonsten der Mob unbescheiden und zahlreich auftretender Südländer überall dort, wo laute Musik, Alkohol und junge Frauen aufeinandertreffen, ein sicher zu erwartender Begleitfaktor.

Dabei ist hervorzuheben, daß die schwarze Szene an sich nicht explicit „rechts“ ist, genau so wenig wie die Mehrzahl der Gruppen. Das entscheidende ist nicht die politische Ausrichtung, die hier so vielgestaltig ist, wie auch sonst in der Bevölkerung; sondern die subkulturelle Alternativität. Der Zeitgeist hält hier seine Auszeit. Die Farbe schwarz präsentiert das Gegentum, gegen Mc Donalds und Dönerbuden, gegen Weltbank und one world, gegen die Reduzierung des Menschen auf den Verbraucher, gegen die Götzenreligion des Liberalkapitalismus.

Mag die schwarze Welt nun Teil einer kulturellen, ästhetischen Gegenoffensive sein, die sich nicht an Tabus hält und bei der Auswahl ihrer Symbolik keine Zensoren duldet oder eine der letzten Rückzugsbastionen: wenn im heidnischen Dorf auf dem Festivalgelände im Freundeskreis beim Klang mittelalterlicher Melodien die Nachmittagssonne durch die Baumkrone bricht, oder in der Veranstaltungshalle die Trommelwirbel der Neofolkgruppe erschallen, bekommt jeder, der sich vom Ziffernmenschen abhebt, Gänsehaut und fühlt sich gestärkt im Kampf gegen Börse und Zuwanderung!

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