Morgens um Sieben

oder: wie wir gut und gerne leben im Stiefmutterland

Auferstanden aus dem Bette
Schon den Zwängen zugewandt
Dienen wir in unsrer Kette
Dunklen Mächten hinterm Land

Jeden Tag die selbe Mühle
Rasselnd Dich zum Laufstall treibt
Reibst Du auf Dich im Gewühle
Ohne dass von Dir was bleibt

Hetzend ziehn wir durch die Zeiten
Täglich treten wir im Rad
Stumpfe Sinne uns begleiten
Bis im Herbste fällt das Blatt

So vergehen Deine Jahre
Unerbittlich – unerkannt
Wo Du suchst das ewig Wahre
Findest Du kein Vaterland

Falschen Zeugen musst Du bürgen
Ahnend wer die Drähte zieht
Schwarze Schatten die uns würgen
Deren Maske nur man sieht

Uns betrügen alle Tage
Weil der Satan herrscht im Land
Willst Du enden diese Plage
Reck die Hand zum Widerstand!

BC 06. Oktober 2017

Gegentum

Ich hasse alles, was Euch heilig ist

Ich verachte alles, was Ihr liebt

Ihr habt kein Vaterland, noch habt Ihr Religion

 

Ich verabscheue Eure Heuchelei

Ich  verachte Eure Menschenrechte

Ihr habt kein Volk noch habt Ihr Stolz

 

Ich bin das Gegenteil all dessen

was Ihr an Werten zu loben wagt

Mit Eurem Lob beleidigt Ihr seine Träger

 

Nur durch Eure Feindschaft Vermögt Ihr

Auszeichnung zu stiften

Die Ehre vergeht bei Eurem Anblick

 

Ihr seid den Staub nicht wert, in den

Ihr alles tretet, das Erhabenheit besitzt

Eure bloße Existenz ist ein Verbrechen

 

Ihr seid fleischgewordene Verneinung

Die Asche Eurer Leernis muss der Dünger sein

Einer von Ferne leuchtenden Zukunft

 

Zu Erde sollt Ihr nicht mehr werden

Sondern auf Ewigkeit von Ihr verbannt

Der Orkus lauert Eures morschigen Unreichs!

Der Dom zu Immerath

Noch trotzen dem Fänger die wuchtigen Türme

Die einmal zum Lobe des Herren erbaut

Als adelte nicht sie die Weihe zum Tode

Als hätten sie nicht den Abgrund geschaut

 

Doch sind schon erstummet die ehernen Glocken

Da Psalm und Gebet der Vergessenheit Raub

Die Fliegen verschwanden vom rostenden Gitter

Durch Straßen und Gassen frisst sich der Staub

 

Wo klangen die Stimme, der Sang und die Lieder

Die rechnenden Zwerge erheben die Hand

Ersticken die Flammen des ewigen Lichtes

In Kirchenruinen versinket das Land

 

Parolen der Mächte verheißen Gewinne

Im Lärm der Maschinen ertönt bald das Horn

Zu brechen die Kohle aus  fliehendem Grunde

Zu Markte sie tragen Geschichte und Born

 

Im dämmernden Morgen dröhnt nichtendes Rasseln

Was Demut geschaffen von Gleichmut gestürzt

Die Ketten bedrängen des Domhofes Runde

Um Habe zu sichern, wird Leben gekürzt

 

Schon graben die Schaufeln in heiliger Erde

Verwerfen der Schöpfung umfassendes Weit

Zerkleinern zu Rohstoff die Seelen der Enkel 

Zu retten die kleine, verrinnende Zeit

 

Die kündenden Türme, sie dürfen nicht stehen

Wo weichen die Mauern, dort fällt auch der Baum

Doch einst weicht vielleicht auch die bittere Stunde

Drum bleiben bestehen die Hoffnung, der Traum. 

Wetterleuchten

Zerlierend siecht der Geist der Zeit

Nah schon ist die Todesstunde

Ahnung lähmt die hohe Runde

Der Throne Sturz ist nicht mehr weit

 

Es ziert der Riß das Fundament

Alte Mächte schwach geworden

Grinsen kalt der Täter Horden

Doch wehe wenn man Euch erkennt

 

Fassade bröckelt morsch zersetzt

Nichts an Wahrem mochte bleiben

Wo sie Raubbau konnten treiben

Gefärbter Lumpen hängt zerfetzt

 

Verwesung wollt Ihr nicht gestehn

Da das Urteil schon gesprochen

Fallen werden die Epochen

Die üble Saat der Wind verwehn

 

Von Ferne nahen unheilvoll

Blitzesschlag und Sturmgewittern

Angst verkündet kaltes Zittern

Das Wetter das verbrennen soll

 

Geweihter Tag bricht einstmals an

Richtend Schwert wird niederschlagen 

Unsre Fahne wird getragen

Daß wahres Recht beginnen kann.

Die lange Nacht

Wird die lange Nacht einst schwinden?

Wird uns leuchten noch ein Morgenstern?

Werden wir des Tunnels Ende finden?

Unsre Rettung scheint so fern!

 

Hat das Glück sich abgewendet?

Angewidert von dem Hochverrat?

Stehn wir vor dem Tor da alles endet?

An dem Ziel der Meineidstat?

 

Ragt der Stamm nicht abgestorben

Kalt und klagend schwarz gen Himmel auf? 

Wo bereits die Wurzel ist verdorben

Fehlt der Sinn im Lebenslauf!

 

Hoffnung ist drum kaum zu sehen!

Hohes Recht liegt in der tiefen Schlucht!

Selbstverleugnung immer muss vergehen!

Bringet niemals gute Frucht!

 

Doch vielleicht geheimer Weise

Zaghaft unter dem verfaulten Tross

Wachen unerkannte Kräfte leise

Kämpft ein kleiner Blütenspross!

 

Fallen werden die es wollen!

Stumm zu tragen rührt das Schicksal nicht!

Feige Herzen ziert ein falsches Sollen!

Heilig straft sie das Gericht!

 

Doch bis dieser Tag gekommen!

Ist der letzte Atem noch nicht tot!

Bis der letzte Hauch verglommen! 

Hoffen wir aufs Morgenrot!

Der Gefallene

Dein Helm zur Erde gesunken

Die Hand liegt schwarz und schwer

Der Du vom Kelche getrunken

Zur bittren Neige leer

 

Dein Kreuz am Boden verloren

Die Fahne weht nicht mehr

Der Du zum Opfer erkoren

Wie Dein geschlagnes Heer

 

Dein Tod von jenen vergessen

Die glauben an die Mär

Der Du den Glauben besessen

Du weinst darüber sehr

 

Dein Mal von jenen zerschlagen

Die scheuen Gegenwehr

Der Du in finsteren Tagen

Die Reihen findest leer

 

Dein Nam wird wieder gerufen

Wenn Gott geht vor Dir her

Der Du auf himmlischen Stufen

Wirst finden Deine Ehr!

Komasaufen

Ach wie ist das schön, verblichen Dich zu sehn Durch hundert Schnaps und Cocktails trunken Am Tresen komatös versunken
gingst heute einen Schritt zu weit
Dein Sterben ist Gerechtigkeit

Ach wie tut das gut, erkaltet ist Dein Blut Nahmst Ecstasy und Crack, auch Nadel Verhöhntest jeden leisen Tadel Nach goldnem Schusse liegst bereit Dein Röcheln fördert Heiterkeit

Ach wie ist das geil, beim Vorspiel fiel das Beil Hast gerne bunt es stets getrieben
Der Schutz ist meistens unterblieben
Die Krankheit kam dann mit der Zeit Dein Siechtum kündet Friedlichkeit

Ach wie süß und mild: der schwarze Rand am Bild Die S-Bahn taugt zum Wellenreiten
Zum Surfen und zum Hängegleiten
Der Gegenzug den Kopf schlug breit

Dein Schrei bedeutet Fröhlichkeit

Ach wie freut das sehr, Dein Herzlein schlägt nicht mehr
Fuhrst täglich Autobahnrekorde
Und prahltest vor der Jugendhorde Verschätztest die Geschwindigkeit
Des Baumes Tod regt Traurigkeit.

 

Und die Moral von der Geschicht:
Gerechtigkeit besteht darin, das freie Individuum in seinem frei gewählten Hobby frei verenden zu lassen,
und
Ungerechtigkeit besteht darin, unsere Krankenkassenbeiträge für vorbezeichnete Sachverhalte zweckzuentfremden !!!Weil Ironie oft schlecht verstanden wird, hier ein paar Hilfestellungen für die menschenfreundlichen Entrüster: Die Botschaft des Textes besteht nicht in seiner wortgetreuen Übersetzung in die Wirklichkeit, sondern in dem Anlaß, den er zum Denken gibt.

Und damit es auch die Letzten verstehen:
Hier steht nicht: Du darfst nicht (mögliche Interpretation des Spießers).
Hier steht auch nicht: Freut Euch am Leid anderer (mögliche Interpretation des guten Menschen, der mich für einen bösen hält).

Hier steht: Tu, was immer Du nicht lassen kannst und trage die Folgen SELBST! (Einzig richtige Interpretation des Autors, vom Liberalismus selten getroffen.) Ich sehe es nun einmal nicht ein, zu leiden, wenn andere sich beschädigen. Ermorde Dich also z.B. nicht, in dem Du Dich vor den Zug wirfst, sondern nimm lieber Gift.

Verlornes Volk

Gleich Lurchen auf der Erde kriechend

Geschlagner Heere Reste Schaar

Der nie ein Tag das Licht gebar

Verdorrte Spur im Sande siechend

 

Verstumpfte Sinne kauernd kauen

Der Troß verlornen Fußes hinkt

Wo keiner je vom Nektar trinkt

Zerflossne Augen flackernd schauen

 

Ermessend nicht des Lebens Höhe

Bemüht manch blinkenreich Ersatz

Doch nie im Äther fand den Platz

Gebeugt von schwärzlich müder Böe

 

Vermattet zuckre Münder saugen

Kopienschein wirft Fahlgesicht

In blassem Trug verschlucktes Nicht

Die Kehlen heisrem Röcheln taugen

 

Aus Sein und Zeit sich selbst verstoßen

Erklomm vereisten Sitz als Halt

Und gurgelnd in den Schmutz verkrallt

Gewollter Haß verzagt am Großen

 

Des Kreises Bahnen flieht die Sonne

Des Satans Auge will vergehn

Der Wind erbarmt sich zum Vewehn

Beim Abendgang der Todkolonne.

Fraß

Gefangen ganz im Zeitenschlang

Kalter Stahl des Marktes Flüstern

Verlorne Orte wunden bang

Fahle Krähen warten lüstern

 

Vergangen Glut des Bundes Kreis

Greife in Ruinen wohnen

Vergossnes Blut zertrocknet leis

Käfer in den Hallen thronen

 

Verloschen aus des Frühlings Hirn

Ankerbruch zeugt blindes Flehen

Der Staub verliert sich im Gestirn

Schwarze Flammen zehrend stehen

 

Geschichte aus dem Raume fiel

Wo die Ökonomen bleiben

Im Neonlicht verwaistes Ziel

Fliegen aus den Nestern treiben.

Düsseldorf

Und zum allerletzten Schluß eine Ode auf meine Geburtsstadt. Ob es auch meine Heimatstadt ist, weiß ich nicht; es fällt schwer, zu ihr in keinem ambivalenten Verhältnis zu stehen. Lobend zu erwähnen ist die Architektur, die selbst, was die Moderne betrifft, hier nicht wie die Axt im Walde gewütet hat und bisweilen sogar das Prädikat Ästhetik verdient. Gelungene Beispiele sind die Brücken und der Funkturm, der sich elegant nach oben verjüngt, um sich dann zur Kapsel übergangslos zu verbreitern. Demgegenüber hängt die Kapsel des Kölner Turms an ihm, als sei sie dort deplaciert.
Jedoch ist die ewige Heiterkeit, die sich in jeder Sekunde protzend dem Leben aufdrängt, unerträglich, getreues Abbild der Spaßgesellschaft, so abgedroschen dieser Ausdruck auch ist, er paßt auf die Hauptstadt Nordrhein-Westfalens. Wenn Nietzsche der Jugend zugerufen hat, es sei zu wenig Schicksal in ihren Augen, gilt das hier besonders. Aber womöglich trübt die Nähe die Wahrnehmung: wahrscheinlich steht Klein-Paris auch diesbezüglich pars pro toto für den westlichen Liberalismus!

Oh feine Stadt am Schicksalsstrome
Ach wie dreht sich mir der Magen
Wenn ich seh in unsren Tagen
Von welcher Art baust Du Dir Dome

Die Wacht am Rhein ist lang vergangen
Flitter Tüll und Perlenglanz
Mode blinkt heut gar und ganz
Als edler Laufsteg willst Du prangen

Ein Felsen voller bunter Affen
Weitgeholter Wüstensand
Alter Hafen blüht im Tand
Viel Ding zum Schauen und zum Gaffen

Am noblen Ufer gegenüber
Kunstschnee eine Piste gibt
Skipokal am Rhein man liebt
Die Welt vergnügt sich sehr darüber

So sind auch Deine Sonnenkinder
Schminke, Gel und Lack im Haar
Finden sich ganz wunderbar
Erscheinen mir bei Nah wie …

Geschäftsmann Banker Advokaten
Und der Schönen Reichen Heer
Ihre Blicke gleich und leer
Wie sonst nur jene der Soldaten

Und ist der Carneval verklungen
Geht es gleich zum Schützenfest
Bist ein wahres frohes Nest
Das ganze Jahr wird hier gesungen

Sie feiern, völlen ,lachen, zechen
Kaviar und Sekt verlangen
Deine Theke hält gefangen
Der Erste wird schon bald erbrechen.