Für des deutschen Volkes Ehre und Freiheit

Die Idee

Am 26. Mai 1923 wurde der deutsche Freiheitskämpfer Albert Leo Schlageter von den Franzosen ermordet, nachdem er im Rahmen des Ruhrkampfes eine Eisenbahnbrücke nahe Düsseldorf gesprengt hatte. Die Junge Landsmannschaft Ostdeutschland nahm das zum Anlaß, am Ehrenmal des 39er Regiments in Düsseldorf eine Gedenkveranstaltung durchzuführen.
In der Erinnerungs- und Geschichtskultur offenbart sich mit einer Brennschärfe, wie sie sonst kaum anzutreffen ist, das Selbstverständnis einer Gesellschaft, was durch die Heftigkeit der Debatten bezeugt wird, die sich um sie ranken. Als Beispiele seien die Diskussionen um den Sinngehalt des 8. Mai, die mit bilderstürmerischem Eifer betriebene Umbenennung deutscher Kasernen und allen voran die Errichtung des Holocaustmahnmals in Berlin, sowie hunderter anderer NS-bezogener Gedenkstätten genannt. Das offizielle Deutschland befleißigt sich dabei der Betonung und Zurschaustellung eigener Schandtaten, während die ruhmreichen Ereignisse und Personen verschwiegen werden. Das ist nicht nur Zeichen eines zivilreligiösen Schuldkultes, sondern ebenso Ausdruck einer mentalen Erschöpfung eines Volkes, das in den Niederlagen zweier Weltkriege geistig weitgehend gebrochen wurde. Um aus den Restbeständen nationaler Lebenskraft fruchtbare Elemente für die Zukunft zu gewinnen, muß man bestrebt sein, die positiven Elemente der eigenen Geschichte in das öffentliche Bewusstsein zurückzuführen. Auch ist es unumgänglich, das durch Andere zugefügte Unrecht beim Namen zu nennen, anstatt es verschämt hinzunehmen, um die eigene Selbstachtung wieder her zustellen. Mit der Durchführung des Dresdner Trauermarsches im Februar eines jeden Jahres, das den von angloamerikanischen Kriegsverbrechern zu verantwortenden Bombenholocaust, wie er erstmals vom sächsischen Landtagsabgeordneten Jürgen Gansel genannt wurde, als das bezeichnet was er war, stellt sich die Junge Landsmannschaft Ostdeutschland seit langer Zeit in diesen Dienst. Hier zeigt sich auch, wie sich die Begriffsprägung auf die politische Kultur auswirkt. Um daran weiterzuwirken, hat die JLO beschlossen, einen Mann der Vergessenheit zu entreißen, der unter Hintanstellung eigener Lebensziele und -planungen einen Opfergang für das gesamte Deutsche Volk angetreten hat, der auf dem Richtplatz eines illegalen französischen Standgerichts endete.  „Für des deutschen Volkes Ehre und Freiheit“ weiterlesen

Das Fanal von Wittenberg

Im Jahre 2017 jährt sich die Reformation zum 500sten Mal. Genauer gesagt jährt sich am 31. Oktober zum 500. Mal der Tag, an dem der Theologieprofessor D. Martin Luther 95 Thesen an die Schloßkirche von Wittenberg schlug. Das Anliegen des Reformators war zunächst ein rein theologisches. Der im Jahre 1483 geborene Luther hatte ursprünglich eine Ausbildung als Jurist begonnen, als er am 2. Juli 1505 in ein schweres Gewitter geriet, bei dem der Blitz 2 Meter neben ihm einschlug. In seiner Todesangst gelobte er, Mönch zu werden, falls er überlebe. So geschah es dann, und er trat in einem Erfurter Kloster in den Augustiner-Orden ein. Dort stellten sich ihm sehr bald die wesentlichen (religiösen) Fragen. Ausgehend vom Problem der Sündhaftigkeit des Menschen und der ewigen Verdammnis, des menschlichen Wandels auf dem dünnen Eis des Todes lautete die zentrale dieser Fragen: wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Sie war weit mehr als eine theoretische Religionsbetrachtung, sondern der Kern menschlichen Lebens in und vor Gott überhaupt. Bei dem Theologiestudenten Martin Luther führte sie in den Jahren von etwa 1507 bis 1515 zu einem Leben voller Anfechtungen und Pein. Nach etlichen inneren Kämpfen existenziellen Ausmaßes wurde er vom sogenannten Turmerlebnis, das zwischen 1511 und 1515 gelegen haben dürfte, erweckt. Hatte er bis dahin geglaubt, die Gerechtigkeit Gottes bedeute, in Gott einen strengen Richter vorzufinden, der den Menschen nach seinem Wandel auf der Erde beurteilt und ihm demnach das ewige Leben oder die ewige Verdammnis zuspricht, so kam er nunmehr zu dem Ergebnis, daß Gottes Gerechtigkeit in einem reinen Gnadengeschenk besteht, das dem Menschen durch den Glauben an Jesus Christus zuteil wird. Hierin lag und liegt der Kern zur Revolutionierung der gesamten katholischen Lehre, denn damit wird sowohl die Theorie der Werkgerechtigkeit hinfällig, nach der der Mensch nur genug gute Werke vollbringen muss, um sich Gottes Gnade zu verdienen, bzw. erarbeiten, als auch die zubilligende Instanz, sprich die Institution der Kirche. Kirche bleibt dann zwar noch der Ort der Zeremonie, der biblischen Gemeinschaft usw. aber nicht mehr der Verteilung des Seelenheils. Diese Umwertung kann kann gar nicht überschätzt werden: Schuld begründet bekanntlich die Herrschaft derjenigen, die die Macht haben, Schuld zu vergeben. Das erleben gerade wir Deutsche ständig im Angesicht der erhobenen Zeigefinger bezüglich unserer ach so finsteren Vergangenheit. Solche Herrschaft verfällt, wenn die Vergebung allein aus dem Glauben gewährt wird.  „Das Fanal von Wittenberg“ weiterlesen

In Liebe zu Volk und Heimat

Wenn im Fernsehprogramm ein Liebesfilm angekündigt wird, erwartet der Zuschauer alles Mögliche, aber mit Sicherheit keine Geschichte über das Augusterlebnis von 1914. Überhaupt scheint der Begriff „Vaterlandsliebe“ eine Liebe im übertragenen Sinn zu bedeuten, wohingegen die „eigentliche“ Liebe die innige Verbindung zweier Menschen darstellen soll, die an Intensität über jede Freundschaft hinausgeht und zu wesentlichen Teilen vom erotischen Faktor geprägt wird. Den Kritikern galt die Vaterlandsliebe deshalb seit jeher als falsches Pathos, welches im besten Fall eine lächerliche Verklärung, im schlimmeren und deutschen Fall aber die Vorbereitung eines Angriffskrieges oder gar die Herbeiführung von Auschwitz bedeute. Dem früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann schreibt man zu, die angebliche Begriffsklitterung mit dem Bonmot entlarvt zu haben, „ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau.“ [1] „In Liebe zu Volk und Heimat“ weiterlesen

Gerichtstag

Wohl an des stolzen Rechtes Herrlichkeit Es kommt mit einem lauen Lächeln breit Voll des Glaubens an das Menschen Gute Herr Richter grüßt Frau Staatsanwalt beschert Gerechtigkeit geballt Grundgesetz und Mitgefühl im Blute Man nimmt Platz am Pulte bieder „Bitte setzen Sie sich nieder“

Der erste Delinquent erbrach ein Haus
Er schaffte Hab und Gut und Geld hinaus Doch der Rechtsstaat ruft hier nach Bewährung Der Schaden scheint uns eher klein
in solchem Fall muß Gnade sein Hofften Sie auf solcherlei Bescherung? Hebt Frau Staatsanwalt ihr Mieder
Bitte tun Sie es nicht wieder

Ein Mord dem zweiten wird zur Last gelegt „Dem Opfer haben Sie den Kopf zersägt Diese Tat war sicher keine Tugend Doch heute sind wir liberal Verbessern Sie ein letztes Mal Schwere Kindheit, ach und schwere Jugend“ Senkt der Richter seine Lider
„bitte tun Sie es nicht wieder“

Dann kommt ein Mann, der gerne Kinder fing und lüstern ihnen an die Leiber ging Schrecken faßt die Mütter und die Väter für Menschenwürde das Gericht
die Seelen ihrer Liebsten bricht
Milde für den Wiederholungstäter Trübe blickt der Richter nieder
Bitte tun Sie es nicht wieder

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Die Ameise

Es ist Samstag, der 21. Juli 2007. Heute wurde mir endgültig klar, dass ich eine Ameise bin, und zwar nicht wie Gregor Samsa infolge einer Verwandlung in Kafkas gleichnamiger Erzählung, sondern immer schon, von Anfang an. Ich bemerktes es, als ich bei Beginn der Lektüre von E.T.A Hoffmanns „Klein Zaches genannt Zinnober“ vom Hölzchen aufs Stöckchen kam, da und dort etwas zum Hintergrund nachlas, über eine kleine Abhandlung über die Idee der Ironie der Romantik stolperte und schließlich bei einem allgemeinen Literaturlexikon endete. Von alldem hatte ich bisher wenig, um nicht zu sagen „nichts“ gehört. Hier fiel mir wieder einmal die Schmalspurigkeit der sogenannten universitären Ausbildung auf. Als Volljurist (und in anderen Fächern ist es nicht besser, in der Wirtschaftswissenschaft am schlimmsten) bist Du ein kleines Holzböckchen, ein Subsumtionsautomat, das nach zwei Staatsexamina die stupide Rechtsanwendungstechnik beherrscht, wie der Automechaniker den Reifenwechsel. Daran ändern auch Doktorgrad und Fachanwaltschaft nichts. Ich werde bei dem Gedanken wütend, dass sie an der Uni nichts über die Seele des Rechts vermitteln, nichts über den sittlichen Gehalt der Freiheit, nichts über die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus. Es wird kein Feuer in den Studenten gelegt. Du hörst nichts von Kant und Hegel, geschweige denn von Fichte oder gar Savigny; auf Carl Schmitt und Hermann Heller geben sie – wenn überhaupt – Hinweise. Die Rechtsphilosophie wird mit der Staatslehre und der Verfassungsgeschichte in die Nische der Weltfremdheit abgeschoben, während die Experten des Wirtschaftsstandortes Deutschland im Fernsehen oder bei welcher Gelegenheit immer dreist genug sind, von der Universität mehr Praxistauglichkeit zu verlangen. Über den Tellerrand hinauszuschauen, ist unökonomisch und wohl auch nicht geil.

Ein studium generale gar, das Deinen Horizont systematisch erweitern könnte, bleibt Dir an der Hochschule selbst überlassen und ist in meinem Fall, ich gebe es zu, in den Annehmlichkeiten des Marburger Studentenlebens versackt. So sitze ich Ameise also seit einigen Jahren in meinem Trichter der deutschen Geistesgeschichte und versuche an Höhe zu gewinnen. Und mit jedem kleinsten Schrittchen, das mir mühevoll gelingt, wird nur der Trichter breiter. Es ist der Trichter des Nichtwissens.

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Rashwan Selahwah

Rashwan Selahwah spielte Fußball. Nicht überragend, aber besser als der Durchschnitt. Immerhin so gut, dass er es wagen konnte, im Profifußball sein Auskommen zu suchen. Am Tag seines 18.Geburtstages trat er in die Dienste eines Zweitligavereins. Unter großer Anteilnahme der örtlichen und überörtlichen Medien wurde er als hoffnungsvolles Talent gepriesen, von dem in der Zukunft noch mancherlei zu hören sein werde. Und in der Tat, es dauerte nicht lange, da erhielt er einen Anruf von einem Scout des Verbandes. Er möge sich zu einem Sichtungslehrgang der sogenannten Nationalmannschaft einfinden. Er fand sich ein und spielte Fußball. Vor den Augen der Scouts, der Nachwuchstrainer, der Krafttrainer, des Teammanagers, der Masseure, der medizinischen Abteilung, des Verbandspräsidenten Friedewald Biegeleicht und des Vorsitzenden des Zentralen Rates, Isidor Mundgeruch. Er spielte nicht überragend, aber das war unerheblich. Im Fußball geht es nicht darum, dass das Runde ins Eckige kommt. Fußball hat eine gesamtgesellschaftliche Funktion. Die Völker der Welt sollen sich bei uns angekommen fühlen, sollen erleben, nicht nur in hohen Phrasen hören, dass sie hier willkommen sind. Interkulturelle Ausstrahlungskraft, Weltoffenheit, gelebte Vielfalt ist die vornehme Botschaft, die der Fußball verkünden soll. So kam man überein, Rashwan Selahwah als Deutschen anzusehen und ihn dieserhalb mit dem Ausweis der bunten Republik auszustatten. Unter großer Anteilnahme der örtlichen und überörtlichen Medien wurde er als Hoffnungsträger der Kampagne „Du bist Deutschland“ gepriesen, von dem man noch viel hören werde. Der Präsident Friedewald Biegeleicht und der Vorsitzende Isidor Mundgeruch hielten gemeinsam einen erhobenen Daumen in die Kamera, und Rashwan Selahwah zeigte verschämt die Plastikkarte mit dem Bundesadler.

Von da an spielte er Fußball – für die bunte Republik. Er brachte mit seiner dunklen Hautfarbe den so lang ersehnten Farbtupfer in die graue Langeweile der weißen Trikots – und Feuchtigkeit auf die Stirnen der weiblichen Moderatorinnen. Aber weil es im Fußball manchmal doch darum geht, das Runde ins Eckige zu bringen, spielte er zunächst nicht in der A-Nationalmannschaft, sondern in der U 21. Doch die U 21 ist nicht geeignet, um die große Botschaft des Fußballes auf die Schirme der Welt zu zaubern. Die Botschaft der interkulturellen Kompetenz, des Wagemutes gegen Rassismus, Sexismus, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung verbreitet – und vermarktet – sich schlecht mit einer Mannschaft aus der zweiten oder gar dritten Wahrnehmungsreihe

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Düsseldorf

Und zum allerletzten Schluß eine Ode auf meine Geburtsstadt. Ob es auch meine Heimatstadt ist, weiß ich nicht; es fällt schwer, zu ihr in keinem ambivalenten Verhältnis zu stehen. Lobend zu erwähnen ist die Architektur, die selbst, was die Moderne betrifft, hier nicht wie die Axt im Walde gewütet hat und bisweilen sogar das Prädikat Ästhetik verdient. Gelungene Beispiele sind die Brücken und der Funkturm, der sich elegant nach oben verjüngt, um sich dann zur Kapsel übergangslos zu verbreitern. Demgegenüber hängt die Kapsel des Kölner Turms an ihm, als sei sie dort deplaciert.
Jedoch ist die ewige Heiterkeit, die sich in jeder Sekunde protzend dem Leben aufdrängt, unerträglich, getreues Abbild der Spaßgesellschaft, so abgedroschen dieser Ausdruck auch ist, er paßt auf die Hauptstadt Nordrhein-Westfalens. Wenn Nietzsche der Jugend zugerufen hat, es sei zu wenig Schicksal in ihren Augen, gilt das hier besonders. Aber womöglich trübt die Nähe die Wahrnehmung: wahrscheinlich steht Klein-Paris auch diesbezüglich pars pro toto für den westlichen Liberalismus!